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Presse

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Zeitung / Herausgeber: Alfred Claußen, VdRBw-Kreisgruppe Wilhelmshaven
Datum: 25.11.2015

„Putins Demokratur — ein Machtmensch und sein System“



Sicherheitspolitischer Vortragsabend mit Boris Reitschuster im Oldenburger PFL




OLDENBURG — In Kooperation mit der Reserve-Offizier-Gemeinschaft Oldenburg (R.O.G.) veranstaltete die Kreisgruppe Wilhelmshaven des Reservistenverbandes am 29. Oktober 2015 einen Vortragsabend im PFL-Kulturzentrum der Stadt Oldenburg. Referent Boris Reitschuster, Autor und Publizist, stellte dem Zuhörerkreis das Machtsystem des russischen Präsidenten vor.


Der 1971 geborene Reitschuster ist seit seinem Jugendaustausch mit der Sowjetunion von Russland fasziniert. Deshalb lernte er ab 1988 im Eigenstudium die Sprache des Landes, mit dem ihn außer seinem Vornamen zuvor nichts verband. Nach dem Abitur 1990 zog er als Student zu einer Jugendliebe nach Moskau. Nach einer Dolmetscher-Ausbildung arbeitete er als Deutschlehrer und Übersetzer. Gleichzeitig berichtete er für verschiedene deutsche Tageszeitungen. Von November 1999 bis Februar 2015 war er Leiter des Moskauer Büros des Nachrichtenmagazins Focus.


Im Jahre 2008 wurde Reitschuster von der gemeinnützigen und überparteilichen Theodor-Heuss-Stiftung für sein Engagement mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet. In der Laudatio lauteten die Worte: „…angesichts seines außerordentlichen Engagements, mit dem er sich seit vielen Jahren kritisch mit dem politischen System Russlands auseinandersetzt und vor Ort mit hohem persönlichem Einsatz für die Meinungs- und Versammlungsfreiheit und damit für die Wahrung von Bürger- und Menschenrechten kämpft".


Heute lebt Reitschuster als freiberuflicher Autor und Publizist, nach wie vor von „Trollen“ in den Social Media verunglimpft, in Berlin. Er reist regelmäßig nach Moskau und in andere Staaten der früheren Sowjetunion.


Mit mehreren Fallbeispielen aus der russischen Presse und dem Fernsehen dechiffrierte Reitschuster das System Putins und erläuterte anhand seiner persönlichen Erkenntnisse, wie dieser mächtige und gefährliche Mann den Westen korrumpiert. Er zeigte auf, wie der ehemalige Ex-KGB-Oberstleutnant Putin als russischer Präsident ein autoritäres Regime errichtete und er-läuterte das Psychogramm Putins. Mit zahlreichen schockierenden Beispielen machte er deutlich, wie menschenverachtend und zynisch der jetzige russische Staat seine Bürger behandelt. Er zeigte auch auf, warum das Wegsehen und Beschönigen — nicht nur wegen der Abhängigkeit von russischem Öl und Gas — fatale Folgen für den Westen haben kann.


Der Referent wies darauf hin, dass er wegen seiner kritischen Berichterstattung über das politische System Russlands, besonders über Präsident Wladimir Putin, häufig Morddrohungen erhalten habe, weshalb er 2012 auch nach Deutschland zurückkehrte — bei vorübergehend fortgesetzter Leitung des Moskauer Focus-Büros.


Weiterhin sagte er „ Anti-westliche Stimmungsmache, Kriegshetze, Hurra-Patriotismus und die Gleichschaltung von Parlament, Justiz und Medien prägen Putins Russland. Von »lupenreiner Demokratie« kann nicht die Rede sein: Putins Demokratur ist eine autoritäre Diktatur im west-lichen Gewand. Das zeigen die Konflikte in Georgien, der absurde Machtwechsel zwischen Medwedew und Putin, die Fälle Pussy Riot und Chodorkowskij sowie die Besetzung der Krim. Putins Ideologie stammt aus der Giftkiste von KGB und KPdSU. Der Westen ist diesem Politik-Stil nicht gewachsen: Viele fallen auf die Moskauer Propaganda herein.“


Nach dem Vortrag beantwortete Boris Reitschuster noch mehrere Fragen der Zuhörer. Dabei verwies er mehrfach auf die große Bedeutung der staatlich gelenkten Propaganda in den russischen Medien.


Dass der Referent und das Thema des Abends nicht nur die Zuhörer des Vortragabends beeindruckten, zeigte die „Mini-Demo“ einer linken Partei: Mit einem Plakat positionierten sich mehrere Personen vor dem Eingang des Veranstaltungsgebäudes und versuchten den Gästen der Veranstaltung ihre eigene Ansicht von einer gerechten Welt mit vorbereiteten Flugblättern zu vermitteln. Die „Friedensaktivisten“ waren jedoch zu keiner Diskussion mit dem anwesenden Referenten bereit.


Besonders beispielhaft zeigt diese Situation mit der Demonstration den Unterschied zwischen einem demokratischen Land mit freier Meinungsäußerung gegenüber den derzeitigen politischen Gegebenheiten in Russland auf.


 


Text und Fotoaufnahmen: Alfred Claußen


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